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Die Eiszeit hinterlässt ihre Spuren
Das Landschaftsbild des Münsterlandes wurde im Pleistozän, dem Eiszeitalter des Quartärs geformt. Von Skandinavien kommend, stieß das Inlandeis zweimal nach Westfalen vor. In der Elsterkaltzeit vor etwa 400.000 Jahren und der Saale-Kaltzeit vor mehr als 200.000 Jahren. Das Eis der Weichsel-Kaltzeit, die vor 10.000 Jahren zu Ende ging, erreichte dagegen Westfalen nicht mehr.
Mit Eiszeit oder Kaltzeit bezeichnet man eine geologische Zeitspanne, in der die durchschnittlichen Temperaturen weltweit um etwa 7 – 13°C niedriger liegen als heute. Dadurch treten ausgedehnte Vergletscherungen auf. Während der größten Eisausdehnung im Pleistozän waren rund 44 Mio. qkm; vergletschert. Diese Fläche entspricht damals ca. 32%, nach heutigem Stand etwa 10% der Landoberfläche der Erde. Vor allem die Saale-Kaltzeit hat ihre Spuren hinterlassen. Die Eismassen hobelten auf ihrem Weg den Untergrund ab. Dabei nahmen sie nahezu alle Gesteine in sich auf, die auf ihrem Weg hierher anstanden.
An der Oberfläche, im Landschaftsbild, tritt der Kiessandzug nicht in Erscheinung. Lediglich zahlreiche Kiesgruben und Baggerseen, machen auf diese einzigartige eiszeitliche Bildung aufmerksam. Wie Perlen an einer Schnur liegen Trinkwasserbrunnen in gleicher Linie . Es gibt kaum eine eiszeitliche Erscheinung in Nordwestdeutschland, die von so vielen Forschern mit im einzelnen so unterschiedlichen Ergebnissen untersucht worden ist wie der Münsterländer Kiessandzug.
Die Entstehung ist bis heute nicht abschließend geklärt. Ein von SKUPIN, SPEETZEN & ZANDSTRA 1993 entwickeltes Szenarium geht davon aus, dass die Bildung der Rinne vermutlich nach dem zweiten Eisvorstoß mit dem Abschmelzen der Eisdecke im zentralen Teil der westfälischen Bucht begann. Die Westfälische Bucht wird begrenzt durch den Teutoburger Wald, Haarstrang und Ruhr und geht im Westen in die Rheinische Ebene über. Die Verwendung der Bezeichnung "Bucht" verweist auf die geologische Entstehung dieser halb von Mittelgebirgszügen umschlossenen Landschaft; sie bildete einmal eine Meeresbucht des Kreidemeeres, deren Form heute noch in der Topografie abzulesen ist.
Der saalezeitliche Gletscher hinterließ nach seinem ersten und zweiten Vorstoß und anschließendem teilweisen Abschmelzen im Westen und Osten der Westfälischen Bucht mächtige Toteisfelder (sich nicht mehr bewegende Gletscher). Das östliche Toteisfeld umfasste das Gebiet südlich des Teutoburger Waldes bis an die Linie Rheine – Greven – Glandorf – Dissen. Im eisfreien Raum zwischen beiden Toteisfeldern flossen Schmelzwässer nach Süden zum Lippetal ab. Der dritte saalezeitliche Eisvorstoß erfolgte durch den eisfreien Korridor zwischen beiden Toteismassen. Die Ausweitung des mobilen Eises zum Toteisfeld hin verengte den Raum des Schmelzwasserlaufs und führte in zunehmenden Maße zu einer Kanalisation der Wasserabfuhr nach Süden. Die Folge war eine starke Zunahme der Stromgeschwindigkeit und damit ein bis zu 40 m tiefes Einschneiden der Rinne. Bei einer Breite von bis zu einem Kilometer haben sich in diesem verhältnismäßig schmalen Streifen mächtige Kies- und Sandschichten abgelagert.
Gestützt wird die Entstehungshypothese auf unterschiedliche Leitgeschiebe die westlich und östlich des Münsterländer Kiessandzug (MKZ) gefunden wurden. Demnach war der Gletscher auch weiter im Westen durch ein Toteisfeld begrenzt und dort entstand entsprechend die Twente-Achterhoek-Rinne (TAR).
Eine schematische Darstellung dieser Theorie verdeutlicht die folgende Grafik.
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Der Münsterländer Kiessandzug erstreckt sich in einem Bogen von fast 80 km Länge von Schüttorf aus über Haddorf, Offlum, Ahlintel, Reckenfeld, Sprakel, Münster bis Ennigerloh-Hoest am Rande der Beckumer Berge:
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Weil die Rinne zum Untergrund mit wasserundurchlässigen Schichten, die aus Ton und Lehm bestehen, abgedichtet ist, sammelt sich in der Rinne zwischen den Sanden und Kiesen das Niederschlagswasser an.
Deshalb stellt die münsterländische Kiessandrinne heute einen hervorragenden Grundwasserspeicher dar, der von zahlreichen Wasserwerken der Region (u.a. Stadtwerke Ochtrup) zur Trinkwassergewinnung genutzt wird.
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Für die öffentliche Wasserversorgung ist der Kiessandzug von großer Bedeutung. Quartäre Sande und Kiese sind der wichtigste Porengrundwasserleiter im nördlichen Westmünsterland. Porengrundwasserleiter zeichnen sich im Gegensatz zu Kluftwasserleitern durch ihr gutes Reinigungsvermögen aus. Die Trinkwasserversorgung der Stadt Ochtrup wird durch Entnahme aus dem Kiessandzug sichergestellt; die 9 Brunnen liegen alle in unmittelbarer Umgebung zum Wasserwerk in Offlum (Neuenkirchen) und fördern das kostbare Nass aus rd. 20 Metern Tiefe. Die Stadt Rheine gewinnt einen Teil ihres Wassers ebenfalls aus dem Kiessandzug (Wasserwerk St. Arnold –Neuenkirchen-). Vier Brunnenfelder der Stadtwerke Steinfurt liegen im Bereich der Kiessandrinne in Ahlintel. Die entscheidende Rolle bei der Wassergewinnung in Münster spielt ebenfalls diese eiszeitliche Besonderheit. Auf diesem „Fundament“ aufgebaut, liegen drei Wasserwerke in Münster, wie Perlen auf einer Schnur.
Weite Teile des Kiessandzuges sind heute Wasserschutzgebiete. Zur Stabilisierung der Grundwasservorräte und Sicherstellung der täglich erforderlichen Fördermengen wird eine sogenannten Grundwasseranreicherung praktiziert. Hierzu wird Oberflächenwasser aus fließenden Gewässern (Ems, Steinfurter Aa, Frischhofsbach) oder Kanälen (Dortmund-Ems-Kanal) entnommen und in Versickerungsbecken auf dem Kiessandzug eingeleitet. Das Wasser durchdringt in mehr als 50 Tagen den Untergrund und wird so mikrobiologisch gereinigt, um sich dann mit dem Grundwasser zu vermengen.
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Der Kiessandzug dient aber nicht nur der Trinkwassergewinnung. Die bis 30 m mächtigen nutzbaren Ablagerungen von Sand und Kies gehören zu den reichsten Vorkommen des Münsterlandes. Das in zahlreichen Flach- und Tiefentsandungen gewonnene Material findet als Betonkies und Bausand Verwendung. Die unter dem offenen Grundwasserspiegel betriebene Naßentsandung hat den Vorteil, dass die feineren tonigen und schluffigen Bestandteile ausgeschwemmt werden. Der auf diese Weise gewonnene Kies ist für die Betonherstellung bestens geeignet. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Konkurrenz zwischen den Nutzungsansprüchen der Wasser- und der Baustoffwirtschaft an den Kiessandzug. Die Nutzung als Sand- und Kieslagerstätte schränkt die Erhaltung des Kiessandzuges als Trinkwasserreservoir und den Schutz des Grundwassers vor Verschmutzung nicht unerheblich ein. Bei Tiefentsandungen wird in den entstehenden Baggerseen der Grundwasserspiegel freigelegt. Dadurch können Schadstoffe unmittelbar in das Grundwasser gelangen. Die Verdunstung über den offenen Wasserflächen führt zu einer zusätzlichen Beanspruchung der Grundwasservorräte. Zur Reinhaltung des Grundwassers sind in der Vergangenheit bereits einige Schutzmaßnahmen ergriffen worden. Um der Gefahr einer Grundwasserverunreinigung durch Auslaugung von Verfüllmassen und durch Schadstoffaustrag aus dem Verfüllgut vorzubeugen, wird seit einigen Jahren die Verfüllung ehemaliger Sandgruben nicht mehr erlaubt. Zur Verhütung von Ölverschmutzungen darf nur mit elektrisch betriebenem Gerät gebaggert werden. Die Lösung des angesprochenen Nutzungskonfliktes setzt eine sorgfältige Abwägung aller Interessen voraus. Der Schutz des Grundwassers und damit die Gewährleistung einer einwandfreien Trinkwasserqualität sollte als vorrangig angesehen werden.
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Der Erholungswert dieser Landschaft gewinnt seit einigen Jahren an Bedeutung. Fischreiche Seen und Badestellen an ausgesuchten Stellen sind Anziehungspunkte der Naherholung. In Neuenkirchen-Offlum und Wettringen-Haddorf wurde im Zuge der Regionale 2004 das Projekt „Sprung über die Kiesbank“ umgesetzt. Es erschließt sowohl den Offlumer See als auch die Haddorfer Seen für den sanften Tourismus.
Einige Baggerseen und ihr Umfeld auf dem Kiessandzug sind teilweise oder auch ganz unter Naturschutz gestellt worden. So z. B. das 25 ha große Naturschutzgebiet „Grafensteiner See“ im Dreieck Steinfurt – Emsdetten - Neuenkirchen.
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Die von den Gletschern transportierten ebenso wie die abgelagerten Gesteine werden, da sie dorthin vom Eise verschoben wurden, als „Geschiebe“ bezeichnet. Das Sammlerherz schlägt höher, wenn Granite, Prophyre, Gneise und Quarzite ebenso aus dem Kiessandzug geborgen werden wie Fossilien und die „Tränen der Götter“, Bernstein. Da die Zahl der aktiven Kiesgruben nach und nach zurückgeht, versiegen die einst ergiebigen Quellen für Geschiebesammler. Der ausdauernde Sammler kann aber auf alten Halden noch gute Funde machen. Welche? Das ist eine neue Geschichte.
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Quelle: Beitrag von Thomas Budde zum Jahrbuch „Unser Kreis“ – Ausgabe 2009 – Jahresthema „Wasser und Gewässer“ (wurde nicht veröffentlicht)
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"Steine aus dem Norden" - Geschiebe als Zeugen der Eiszeit in Norddeutschland
von Per Smed, übersetzt und bearbeitet von Dr. Jürgen Ehlers 2. Auflage erschienen 2002 im Gebrüder Borntraeger Verlag ISBN 3-443-01046-6 Preis ca. 22 € (195 Seiten, 157 Abbildungen auf 34 Farbtafeln, 83 zum Teil farbigen Abbildungen)
Steine aus dem Norden ist ein Bestimmungsbuch für "Leitgeschiebe". Die Gletscher der Eiszeit haben Steine aus Skandinavien, Finnland und dem Baltikum nach Norddeutschland transportiert. Einige davon sind so charakteristisch, dass sie ihr Herkunftsgebiet als Leitgeschiebe verraten. Das geologische Wissen des Lesers wird systematisch erweitert, bis er mit Hilfe der Farbtafeln und einfachen Untersuchungsmethoden die wichtigsten Leitgeschiebe bestimmen kann. Geologische Vorkenntnisse sind nicht nötig, denn alle Fachausdrücke werden erklärt und die wichtigsten Minerale beschrieben. Auf den letzten Seiten findet sich noch ein kleines Fachlexikon. Das Buch wendet sich an Anfänger und fortgeschrittene Steinsammler und bietet einen guten Überblick über die Vorstöße des Inlandeises und die dabei abgelagerten Gesteine.
Angaben ohne Gewähr
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